Donnerstag, 22. Dezember 2011

Million Dollar Baby (2004), US

In Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" geht es um mehr als nur um das Boxen, es geht um das permanente Streben nach Erfolg, nach Anerkennung. Der Film zeigt, was für eine persönliche Robustheit man dafür benötigt. Es geht um Aufstieg und Abstieg im Leben und um das Blut, das man dabei verliert.

Aufbruch, Reise, Schmerz–die drei Gesichter eines außergewöhnlichen Films, die drei Gesichter Maggie Fitzgeralds, wunderbar verkörpert von Hilary Swank, deren Leistung in diesem Werk völlig zu Recht verehrt wird. Akribisch wie Christian Bale, mimisch variabel wie Jodie Foster und so emotional wie Hilary Swank.

Über die vollständige Länge des Films hinweg meißeln das Drehbuch und Regisseur Eastwood verlässlich gewandt die detaillierten Hintergründe der zwei liebevoll gestalteten Hauptcharaktere. Sie lassen den Zuschauer in den, grob auf Haupt – und Schlussteil reduzierten Abschnitten, erst mit fiebern, dann mit leiden und, die tief im Bewusstsein verwurzelten Beweggründe nachvollziehen. Sei es der Wunsch Maggies, den einzigen Teil ihres Lebens, der ihr Freude macht, mit dem sie sich aus dem tristen Dasein einer Kellnerin und ihre grauenhafte Familie dem Wohnwagenpark enthebt, mit dem wohlverdienten Titel zu krönen oder ihr Verlangen den Teil ihrer Existenz, der durch ihre Herkunft unterdrückt wurde, den Wunsch nach Höherem zu streben, endlich zu verwirklichen.

Die Parabel auf ihren Lebenskampf, der Boxsport, der lange der Sport der Unterdrückten war – Maggies Begeisterung für ihn wird mit den einfachsten Mitteln auf den Zuschauer übertragen. In einer dunklen und menschenleeren Sporthalle, fängt mühsam im schummrigen Licht, eine großartig geführte Kamera die kleine muskulöse Frau ein, wie sie all ihre Leidenschaft in einen Boxsack hinein prügelt. Der Schweiß steht in ihrem Gesicht, dunkle Haarsträhnen kleben auf der Stirn und man verfolgt den hoffnungsfroh lächelnden Mund, die strahlenden Züge Maggies, wie sie den kräftigen, grauhaarigen alten Mann unermüdlich mit „Boss“ anspricht und ihn schließlich mit ihrer liebenswürdigen, bemitleidenswerten Präsenz, zur Zusammenarbeit nötigt.

Der alte Mann, Frank Dunn, dem als Manager die Ehre eines Titels stets versagt blieb und der seine scheinbar letzte Chance soeben durch Zaghaftigkeit aus den Händen gleiten ließ, diese ähnlich tragische Figur erweist sich im Gang des sportlichen Duos gen Gipfel, als vorerst gewohnt eastwoodmürrisch, wenig jovial, unwirsch und störrisch, lässt aber eben, so wie es nur der große Clint kann, durch wenige Blicke und Gesten, zögernde Wärme hervor scheinen. Am Ring belegt er seine, vielleicht etwas zu fingerfertigen und erfolgsgarantierenden Fähigkeiten als Trainer. Die Siege Maggies erscheinen als zu einfach, was sich als überaus trügerische Sicherheit zu erkennen geben soll. Doch ist die Beziehung Franks zu Maggie mehr als nur ein simples Engagement mit einem ehrgeizigen „Mädchen“. Zwischen den beiden Charakteren, die so grundverschieden, sich in einigen Zügen, Sturheit und Ehrgeiz, aber doch ähnlich sind, entwickelt sich im Laufe der zwangsläufig erfolgreich verlaufenden Karriere, eine tiefe Freundschaft, die ihren Höhepunkt erst ganz am Schluss findet. Mit der Macht dreidimensional und nicht zuletzt überaus sympathisch gezeichneter Figuren, zwingt Eastwood seinem Publikum die Empathie auf, in diesem mehr als zwei Stunden andauernden Kampf, alle von den Protagonisten durchlebten Emotionen, ihre Hoffnungen, Ängste, ihre Begeisterung und schlussendliche Verzweiflung aufs tiefste und schmerzhafteste mitzuerleben.

Das tragische Ende wirft dann die Frage auf, worum es in diesem Film eigentlich geht. Um Sport und seine Nebenerscheinungen, um Vergangenheitsbewältigung, Gegenwartsbewältigung oder doch um den Sinn des Lebens, der darin besteht für irgendetwas zu kämpfen. Ob für Erfolg, Familie, Leben. Wie vergänglich, all das ist, dafür steht „Million Dollar Baby“ und das kann zumindest eine Antwort auf die Frage sein. Ganz starker Film, der seine 4 Oscars wirklich verdient hat!

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