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Montag, 12. März 2012

Ziemlich beste Freunde - Intouchables (2011)

„Ziemlich Beste Freunde“ ist einer der großartigesten Filme aus dem letzten Jahr und auch der beste Film in dieser Kategorie. Er zieht einen in den Bann, man taucht quasi in den Film ein, das liegt zum einen an den super Schauspielern, wie auch an der guten Filmmusik, die allerdings sehr typisch für französische Filme ist.

Es wird die Geschichte über eine tiefe Freundschaft von zwei Männern erzählt, die verschiedener kaum sein können. Der eine ist Philipe, schwer reich und vom Hals ab gelähmt, der andere ist Driss, ein Ganove aus einem der heruntergekommenen Vorstädte von Paris. Auf den ersten Blick verbindet die beiden garnix, dennoch geben sie sich gegenseitig Halt und Hoffnung. Aber das wichtigste was ihre Freundschaft ausmacht ist, dass sie sich wie normale Menschen behandeln und darüber hinweg sehen was sie sind und wo sie herkommen. Es gibt viele Filme über ungewöhnliche Freundschaften, die sind meistens so mit Sentimentalitäten und Kitsch vollgestopft, dass man es kaum noch erträgt. Genau darauf wird hier verzichtet, denn hier kommt man aus dem Lachen nicht mehr heraus. Trotz des vielen Humors, bei dem einem am Ende die Kaukmuskeln weh tun, verzichtet der Film nie auf Menschlichkeit und gegenseitigen Respekt.

Es wird respektvoll mit der Behinderung umgegangen, aber zeitgleich ohne Mitleid: „Das ist genau das, was ich will: Kein Mitleid. Manchmal gibt er mir mein Handy - weil er es vergisst." Und genau das will der Film. Er will zeigen, dass man mit dem richtigen Menschen an seiner Seite trotzdem Spaß am Leben haben kann, dass man voneinander lernen kann, dass der kulturelle Austausch jeden bereichert und dass zu viel Akzeptanz und Toleranz nicht immer der beste Weg sind, Menschen zu erreichen. Natürlich kann man fragen, ob es korrekt ist, wenn ein schwarzer Pfleger einem Querschnittsgelähmten einen Seitenscheitel macht und Hitlerwitze reisst. Die Gefahr ist da, dass man hier vielleicht zu schnell mit billigen Witzchen auf die Slapstick-Schiene abdriftet. Das passiert dem Film aber nicht. Es geht nicht um die teils bitterbösen Sprüche von Driss, sondern um die Art, wie sie im Kontext fallen. Sie sind nicht böse oder gar beleidigend gemeint - es sind Witze aus purer Lebensfreude und Freundschaft heraus. Philippe bekommt oft genug seine Revanche und so hält sich alles stets im Maß. Der Film will niemanden beleidigen oder zu sehr auf die Tränendrüse drücken. Natürlich gibt es sie, die ruhigen, ergreifenden Momente wo das stetige Grinsen, das man als Zuschauer hat, für kurze Zeit verstummt. Dann nimmt sich der Film Zeit für die beiden Hauptfiguren, für ihre Geschichte, für den Mensch dahinter. Doch bevor dann zu sehr auf "Drama" getrimmt wird, gibt's wieder was zu Lachen. Es ist die Balance, die perfekt sitzt.

Man könnte noch ewig schreiben wie toll inszeniert der Film ist, wie schön der Soundtrack ist, wie grandios dieses Leinwandduo funktioniert, wie erleichternd, erheiternd und doch erdrückend dieser Film ist, aber Fakt ist: „Ziemlich Beste Freunde“ ist so ziemlich das unterhaltsamste, was seit ziemlich langer Zeit im Kino zu sehen war. Lachen. Weinen. Freuen. Trauern. Der Film bietet alles, nie zu viel von Allem, aber vor allem beim Humor auch nicht zu wenig. Es ist eine perfekte Balance zwischen Drama und Komödie, die nie „Film“ sein will, sondern einfach nur ein Einblick in das Leben zweier Menschen gibt, deren Freundschaft keine Hautfarbe, Behinderung, Vorurteile, Häme oder sonstige Grenzen kennt.

Lange hat mich ein Film nicht mehr so begeistert. Dieser Film geht gleichermaßen an die Lachmuskeln und ans Herz!

Donnerstag, 1. März 2012

Die Monster AG - Monsters, Inc. (2001), US

Die Monster AG“ ist eine warmherzige Animationskomödie von den Pixar Animation Studios in Zusammenarbeit mit Disney sowohl für die Kleinen als auch für die Großen meiner Meinung nach. Das liegt vor allem an den vielen Anspielungen und den Gags, die auch Erwachsene begeistern können. Viele fantasiereiche Einfälle und spaßige Figuren garantieren ein erfreuliches Animationsvergnügen. Ein Film, in den sich alle verlieben!

Eine einfallsreiche Handlung muss nicht besonders kompliziert sein. Das beweisen die Filmemacher von Pixar immer wieder mit ausgefallenen, aber lebensnahen Geschichten. Der, für mich, absolut witzigste und überhaupt beste Film von Pixar, deren Arbeit ich immer überaus schätze! Eine Flut an genialen Charakteren und Ideen wie den gutmütigen, energischen und auch leicht schrägen Sulley oder den hysterischen, witzigen und wunderbar ironischen Mike. Zusammen sind sie wohl eines der coolsten Leinwand Duos überhaupt. Zwei unzertrennliche Monsterkumpel, die von einem Fettnäpfchen ins nächste geraten und es auf herrlich verrückte Weise schaffen pausenlos zum Lachen zu bringen. So sind sie gezwungen das Gefährlichste auf der Welt, ein Menschenkind, wieder zurück in dessen eigene Welt zu bringen. Die kleine Boo heizt den Monstern mächtig ein und sorgt für viel Chaos. Es gibt unzählige lustige Highlights. Gags wie am Fließband verbunden mit einer rührenden, verrückten, rasanten Geschichte ergeben diese monstermäßige Kino-Achterbahn, die niemals langweilig wird. Wenn ich allein schon die Mimiken mancher Monster sehe, könnte ich los brüllen, z.B. als Sulley denkt, dass Boo in der Schrottpresse gelandet ist und er alles beobachtet. Doch zum Glück stellt sich heraus, dass es nur ihr Kostüm war. Auch Sulleys erste Begegnung mit Boo war zum Umfallen! Der Yeti toppt allerdings alle.

Pixar Filme sind immer wieder ein Höhepunkt im Kino und „Die Monster AG“ hat alles, was einen guten Pixar-Streifen ausmacht: Super lustig, rührende Handlung, fantasievolle Umgebung und Charaktere und er sieht wirklich monstermäßig gut aus. Im Übrigen begeistert der Film auch mit seinen umwerfenden Animationen, Soundeffekten und Musik vollends begeistert. Ich mag allein schon die Idee, dass liebendwerte Monster in einer Parallelwelt leben und Kinderschreie benötigen, um Energie zu erzeugen. Die Monster sind mit so viel Liebe erschaffen worden und jedes hat seine persönliche Monstereigenschaft und Charakter. Alles ist bunt und wild und hat so viel Herz fürs Detail. Es ist mir zwar ein Rätsel, wie dieses große blaue Monster Schreckmeister sein kann. Aber, dass Sulley brüllen kann, hat er ja bewiesen.

Liebenswerte Monster und ein liebenswertes kleines Mädchen verpackt mir einer guten Story und famileinfreundlichen Humor. Für mich einer der besten Filme von Pixar! Und ich freue mich schon irgendwie auf die Fortsetzung.

Montag, 20. Februar 2012

Der Gott des Gemetzels - Carnage (2011), FR/DE

Auf einem preisgekrönten französischen Theaterstück basiert die schwarze Komödie Der Gott des Gemetzels“. Es ist das neueste Werk vom Altmeister Roman Polanski aus dem Jahr 2011, der ein brillantes Kabinettstückchen über die Brüchigkeit gesellschaftlicher Normen und den Wandel von Großbürgerlichkeit zur Spießbürgerlichkeit liefert.

Von der spürbaren Anspannung und erzwungenen Konversation zu Beginn, bis zum Schluss spielt der Film ausschließlich in einer gleichen Wohnung und einem Flur. Es gibt nur vier Protagonisten: zwei Ehepaare. Deren Kinder haben sich in einem Park eine Schlägerei geliefert, die eskaliert ist. Dem einen Jungen fehlten danach zwei Zähne. Die Eltern des Täters haben daraufhin die Eltern des Opfers aufgesucht, um das Ganze aus der Welt zu räumen. Doch was dann passiert, hat die Welt noch nicht gesehen. Im Laufe des Gespräches kommen Dinge zum Vorschein, die besser im Verborgenen geblieben wären.

Wenn sie alle vor den Trümmern ihrer Zivilisiertheit stehen, ist Gott des Gemetzels ein Groteskes Abbild einer Menschheit, die zu beweisen versucht, dass Zivilisation nicht mit, sondern trotz der Natur der Menschen existiert. Der Film kann denn auch als eine Gesellschaftskomödie in einer postchristlichen Zivilisation bezeichnet werden, in der das christliche Menschenbild entweder durch Gutmenschentum oder durch Zynismus ersetzt worden ist. Die Moral wird so zu einer minimalistischen Ethik, deren oberflächlicher Firnis bürgerlicher Kultiviertheit sich als allzu brüchig erweist. Für gewöhnlich kann man bei ähnlichen Filmen eine bestimmte Stelle ausmachen, an der die Handlung kippt, die Eskalation. Aber in diesem Film ist es nicht, denn die Situation eskaliert ständig, immer weiter und von neuem und sie alle quälen sich durch diesen unnötigen Nachmittag, weil niemand einen Rückzieher machen will. Diese kleine New Yorker Wohnung wird zu einem Hexenkessel, in dem die Emotionen so sehr hochkochen, bis alle vier Maske um Maske ablegen und jeder allein da steht. Wie Polanski Schritt für Schritt die Fassaden öffnet und alles, wirklich alles offen legt, was dahinter steckt, das ist eine Klasse für sich. Der Spannungsbogen, der eigentlich gar nicht existiert, wird bis zum Ende hochgehalten. Und das Ende hat dann auch noch eine Überraschung parat.

Alle Schauspieler sind grandios, besonders Christoph Waltz hat mich absolut überzeugt. Faszinierend, wie durch Kleinigkeiten die Fassade der Zivilisation bröckelt, jeder seinen persönlichen wunden Punkt hat und aufgrund dessen die Charaktere sich immer wieder wechselnd miteinander verbünden und dann wieder an den Hals gehen. Ein Film für alle Fans der großen Schauspielkunst! 

Donnerstag, 12. Januar 2012

Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders

Das Parfum - Die Geschichte eines Mörders“ ist eine Verfilmung eines Deutschen Buches, welches ich vorher schon gelesen habe. Die Frage Wie kann Tykwer wohl das Buch in einen Film umsetzen?” kann ich nur mit einem Er hat es bravourös geschafft” beantworten. Es gab so viele Szenen, die ich mir genauso vorgestellt habe. Und ebenso viele Szenen, die durch die Kunstgriffe Tykwers noch um ein Wesentliches verfeinert wurden. Der ebenso fantastische Soundtrack hat viel zur Atmosphäre des Films beigesteuert. Er hat es wirklich geschafft eine gute Umsetzung zu schaffen. Dennoch rate ich vorab zur Lektüre des Buches. Ohne wird der Film sicherlich einiges verlieren.

Der Film ist wie eine Biografie aufgebaut, die sich um den Werdegang von Jean-Baptiste Grenouille dreht und im Paris des 18.Jahrhunderts spielt. So beginnt er der Film interessanterweise mit einem ziemlich späten Zeitpunkt im leben des Jean-Baptiste Grenouille, nämlich mit der Verkündung seiner Todesstrafe. Was ist passiert? Tja darüber bleibt der Zuschauer vor erst unaufgeklärt, da nun zum Zeitpunkt seiner Geburt gesprungen wird.Schon als Baby kommt er in ein überfülltes Waisenhaus, wo Herzlichkeit sicherlich nicht am Tagesplan steht. Zudem hat Jean-Baptiste Grenouille wie gesagt eine besondere Gabe bzw. einen übernatürlichen Geruchssinn, was ihm für die anderen etwas merkwürdig und so zum Außenseiter macht. Es ist aber nicht eine simple „Rache des ausgestoßenen“ Geschichte, sondern viel mehr ein interessantes Charakter Drama, über einen Menschen der sich in einer doch sehr verbitterten Zeit, immer mehr in seine eigene Welt zurück zieht, bis er schließlich von den Gerüchen so besessen ist das er dafür tötet. Dabei sieht man quasi sein ganzes Leben und wie es schließlich so weit kommt. Es ist eine recht interessante Geschichte darüber, wie sehr so eine Gabe doch auch zu einem Fluch werden kann, und wie fließend die grenzen von Gabe und Fluch sind, wenn man nicht die Gabe kontrolliert, sondern sie dich. Dabei lässt sich der Film mit Zweieinhalbstunden auch sehr viel Zeit um die Entwicklung des Charakters etwas besser und nicht zu übereilt darzustellen. Was aber auch zur folge hat dass der Film über weiter strecken sehr ruhig ist und leider durchaus auch seine Längen aufweist, obwohl man eine gewisse Spannung sicherlich durchgehend vernehmen kann. Zudem kommt positiv, die sehr schöne und auch sehr authentische Kulisse hinzu, welche einen sehr gut in diese Zeit transportiert. Die Schauspielerische Leistung, allen voran des Hauptcharakters war sicherlich auch sehr gelungen. Leider muss ich aber auch Kritik üben, denn neben den Längen in der Handlung, fand ich die Geschichte gegen Ende auch teilweise etwas zu Kitschig, auch wenn mich das endgültige Finale dann doch sehr überrascht und mir auch auf seine Art doch gut gefallen hat.

Der Film ist visuell ein Meisterwerk. Über die Charakterzüge Grenouilles lässt sich streiten, denn er wird im Film wirklich schlicht und ergreifend massentauglich gemacht, eigentlich eine alarmierende Tat, denn unsere Gesellschaft ist anscheinend nicht fähig abnormale Dinge aufzunehmen und zu reflektieren. Es muss gesagt werden, dass wenn der Film sich genau am Buch halten würde, der Film höchstwahrscheinlich längst nicht so umsatzfähig wäre wie er nun ist und das finanzielle darf man bei Filmen auch nicht vergessen.

Ich mag jedoch beides, das Buch und den Film, auf verschiedene Art und Weise für sich und ich glaube der Schlüssel dazu ist die beiden Werke soweit es möglich ist unabhängig voneinander zu betrachten. 

Montag, 9. Januar 2012

A Beautiful Mind - Genie und Wahnsinn

„A Beautiful Mind-Genie und Wahnsinn“ ist ein interessantes und aufregendes Drama von Ron Howard aus dem Jahre 2001 nach dem Leben von dem hochbegabten Mathematiker John Nash, wobei der Film sich natürlich einige Freiheiten nimmt. Für mich zählt es zu einem unglaublich schönen und berührenden Film.

Die Geschichte entwickelt sich recht komplex und dicht, verliert aber nie ihren Leitfaden aus den Augen. Der Film beginnt mit Nashs Studienzeit in Princeton, wo er bereits den Ruf eines Mathematikgenies genießt, aber ein Außenseiterdasein führt. In dieser Zeit lernt er auch seine Frau am Lehrstuhl kennen. Seit seinem Studium hat er eine schizophrene Psychose, die ihn immer mehr in den Wahn führt, er entschlüssele in geheimem Auftrag der amerikanischen Regierung Codes sowjetischer Agenten. Schließlich folgt der Zusammenbruch, Nash wird in die geschlossene Psychiatrie eingeliefert. Als er wieder aus der Klinik nach Hause kommt, kümmert sich seine Frau um ihn, wird dabei aber selber an die Grenzen der Belastbarkeit gebracht. Erst in den 1990er Jahren feiert er, von seiner Erkrankung weitestgehend genesen, ein vielbeachtetes Comeback, das schließlich im Nobelpreis für Wirtschaftswissenschaften 1994 gipfelt.

Faszinierend ist die Tatsache, dass man in den ersten zwei Dritteln des Filmes nicht genau weiß, ob sich Nash seine Personen nur einbildet oder nicht. Das letzte Drittel offenbart, das Wahnvorstellungen auch in den Griff zu bekommen sind, auch wenn nicht immer mit dem gewünschten Erfolg. Das Ende empfand ich ein wenig zu rühselig. Das fällt aber nicht sonderlich ins Gewicht, denn die Stärken überwiegen hier ganz klar: von glaubwürdigen Darstellerleistungen, über einen wirklich großartigen Score, der die Szenen mit steigender Präsenz einhüllt, bishin zu den Dialogen, die mich des öfteren zum nachdenken angeregt haben.

Russell Crowe spielt seine Rolle echt grossartig, vorallem dann wenn der Film so richtig in schwung kommt. Ed Harris ist ein toller Typ, passt bestens in seine Rolle and Jennifer Connelly ist ein gelungener Augenschmaus. Ich kann „A beautiful mind“ wirklich nur empfehlen – der Film ist interessant, ergreifend, tiefgründig und in manchen Szenen sogar richtig witzig. Da steckt einfach unheimlich viel drin, was ihn zu etwas besonderem macht. Insofern kann man sicher eine Parallele zwischen dem Film und der Psyche seines Protagonisten ziehen, wenn sich der große Inhalt beim Film auch in deutlich positiverer Weise darstellt. Oftmals den Tränen nahe, mitfühlend mit dem Genie und der wahren Geschichte dahinter führt dieser Streifen durch alle Emotionen die man fühlen kann - ein unglaublich schöner und berührender Film. Sollte man unbedingt mal gesehen haben...

Donnerstag, 5. Januar 2012

Verliebt und Ausgeflippt

Die Romantikkomödie „Verliebt und Ausgeflippt" ist ein kleiner, aber feiner Film von Regisseur Rob Reiner aus dem Jahr 2010. An diesem Film gefällt mir, dass er diesen nostalgischen Coming-og Age Charme so toll übermittel, ähnlich wie bei „Stand by me", und echt wiedermal große Laune macht.

Das fängt schon mit dem tollen Setting aus Mitte der 1950er Jahre an, bei dem einfach jedes Ausstattungsdetail stimmt. Als Juli zum ersten mal den Nachbarsjungen Bryce sieht, ist es um sie geschehen, denn von nun an will sie das Herz des Jungen gewinnen. Aber Bryce hält das hübsche Mädel nur für nervig. Was auch noch ein Problem ist, die Familien der beiden leben in verschiedenen Welten. Also Juli hat es nicht leicht, dennoch gibt sie den Kampf um ihren Prinzen nicht auf.

Ohne in schwarz/weiß-Stereotypen zu verfallen, werden hier zwei Familien einander gegenübergestellt, von denen die eine (die des Jungen) ziemlich spießig drauf ist und die andere (des Mädchens) eher jenseits der Konformität agiert (mit allesamt fein gezeichneten Charakteren, wie auch die untypisch Diametralen, z.B. die des großmütigen großvaters; solche eben, die alles wieder etwas durcheinander bringen). Natürlich muss es zwischen den zwei Kids dann mal so etwas wie Liebe geben. In den vielen schönen kleinsten Szenen liegt hier die Spannung, das Doppel-Erzähl-Element ist raffiniert umgesetzt und erinnert an den modischen Split-Screen dieser Zeit. Auf Verhaltenspsychologie wurde viel Wert gelegt und die ist besonders in den vielen Situationen der köstlichen Peinlichkeiten besonders gelungen. Das Herz des Zuschauers wird natürlich mit den großen Melo-Affinitäten (plus etwas Poesie und Philosophie) immer wieder schön bedient. Ausgediente Schauspielerinnen, wie Rebecca de Mornay und Penelope Ann Miller spielen endlich wiedermal toll und die Songs der legendären Bands wie The Ventures, The Cliffords, The Everly Brothers oder The Crystals steuern den großen Soundtrack bei.

Das besondere an dieser bezaubernden Lovestory ist, dass erst die Szene aus der Sicht von Bryce geschildert wird und dann aus der von Julie, somit wird der Zuschauer tiefer in die Gefühls-und Gedankenwelt der Liebenden mit einbezogen. Nicht zu vergessen sind auch Madeline Carroll und Callan McAuliffe die durch ihr perfektes Spiel den Film glaubwürdig machen. Da die Story Anfang der Sechziger spielt, bekommt man auch noch eine fetzige Untermalung geboten.

Ein gelungener Film über die erste Liebe mit all ihren Schwierigkeiten, bei dem es einem warm ums Herz wird. Wer Juno mochte, wird auch diesen Film lieben.

Mittwoch, 4. Januar 2012

The Green Mile (1999), US

Viele Freunde empfahlen mir diesen Film „The Green Mile" und lobten ihn sehr, also dachte ich mir da ich Dramen mag, ich schaue ihn auch mal. Ich hätte nicht gedacht, dass Filme einen so sehr berühren können und man richtig mit den Darstellern mitleidet. Ehrlich gesagt traf mich der Film so sehr, dass ich zusammengekauert in meinem Sessel saß und weinte. Am nächsten Tag schaute ich ihn mir nochmal an und musste das gleiche nochmal durchleben. Es ist einfach unglaublich wie man Personen innerhalb 3 Stunden so sehr ins Herz schließen kann.

Hollywoods erfolgreichster und erfahrenster Stephen King Verfilmer Frank Darabont präsentiert uns mit „The Green Mile" eine der besten King-Romanverfilmungen. „The Green Mile" hatte eigentlich alles was ich mir von einem Perfekten Film Wünsche: Eine Story die nicht doof oder sinnlos ist, einen Cast der meiner Meinung nach nicht besser hätte besetzt sein können und viele, wirklich Grandiose Szenen. Jedem Charakter nahm ich seine Rolle ab, und das soll ja auch so sein. Was man leider nur nicht immer geboten bekommt, daher ist es nur logisch dass ich es erwähne. Hanks, brilliert in seiner Rolle als Leiter des Todestraktes und Michael Clarke Duncan hatte hier wahrscheinlich die Rolle seines Lebens. Ganz groß!

Der Film basiert auf dem gleichnamigen Roman von Autor Stephen King. Der Roman stammt aus dem Jahr 1996 und wurde in Anlehnung an Charles Dickens Fortsetzungsgeschichten als sechsteiliger Fortsetzungsroman veröffentlicht. King besuchte das Set des Films übrigens persönlich und nahm auf dem Nachbau des Elektrischen Stuhls Platz. Im Film wirkt Schauspieler Michael Clarke Duncan in der Rolle des John Coffey wie ein Riese, allerdings ist er mit einer Körpergröße von 1,95 Meter nur unbedeutend größer als Tom Hanks (1,85 m) oder David Morse (1,93 m).

Viele Szenen waren lustig. Ich meine nicht lustig im sinne von, „Ich liege unterm tisch vor lachen". Aber lustig im sinne von einem Grinsen im Gesicht. Mindestens genau so viele traurige Szenen gibt es aber auch. Und hier meine ich traurig, im sinne von traurig. Ich bin nicht gläubig, dennoch war gerade dieser Aspekt des Films äußerst schön. Den Meisten fließen gegen Ende die Tränen aus den Augen. Bei mir schon, als John Koffe, „Wie das Getränk, nur etwas anders geschrieben.", Paul Edgecomb kurz nach seiner Einlieferung die Hand reicht.

Ich muss zugeben, dass es etwas längr her ist, dass ich den Film gesehen hab, aber ich erinnere mich in sofern daran, dass der Film so toll ist, weil mich noch nie, bzw. selten ein Film so gefühlsmäßig mitgenommen hat wie Green Mile. Ich weiß zwar nicht wie mit euch ist, aber ich könnt mir den immer mal wieder angucken.

Mittwoch, 28. Dezember 2011

Freedom Writers, 2007

In diesem US-amerikanisches Filmdrama Freedom Writers" von Richard LaGravenese aus dem Jahr 2007 wird die passionierte Lehrerin Erin Gruwell an eine neue Schule versetzt. Da staunt sie nicht schlecht, als ihre Klasse aus rassistisch verfeindeten Gruppen besteht. Doch Erin beweist viel Geduld und versucht die Probleme der Jugendlichen zu verstehen, um so nach und nach ihr Vertrauen zu gewinnen. Als es ihr gelingt, den Jugendlichen das Schreiben eines Tagesbuchs über ihr gewalttätiges und verkorkstes Leben schmackhaft zu machen, weckt sie außerdem ihre Lust am Lernen.

Basierend auf wahren Begebenheiten" ist nicht unbedingt etwas, auf das ein Film stolz sein kann. Viel zu oft verstecken sich hinter den Fakten" ein schlechtes Drehbuch und mäßige Schauspieler. Nicht so bei Freedom Writers. Hier wird die Story sogar durch die tatsächlichen Hintergründe gerettet und das Schuldrama zu einem sehenswerten Film. Um es klar zu sagen: Wäre die Geschichte von Freedom Writers erfunden, wäre der Film absolut grauenhaft. Allerdings basiert Freedom Writers auf wahren Tatsachen, was in diesem Fall wirklich gut ist. So wird die anrührige Story um eine Lehrerin, die versucht, ihren sozial schwachen Kids wieder Hoffnung zu geben zu einem interessanten Ausflug in das L.A. der frühen 90er, in dem Gang-Kriege, Drogenhandel und der Tod ständige Begleiter der sozial Schwächeren waren.

In einem Hexenkessel wie diesem regelmäßig zur Schule zu gehen ist schon schwer genug. Dann auch noch von den Lehrern ignoriert und gedemütigt zu werden meistens der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringt und die Schul-Karriere" schon Jahre vor dem Abschluss beendet. In diese äußerst angespannte Situation wird die junge Lehrerin Erin (Hillary Swank) geworfen. Anstatt sich aber von der miesen Stimmung im Klassenzimmer anstecken zu lassen, versucht die Lehrerin mit äußerst unkonventionellen Methoden, die Begeisterung ihrer Schüler zu wecken - egal, was die zunächst davon halten. Gut, an Robin Williams in Der Club der toten Dichter kommt Swank nicht heran, dennoch schafft sie es aber die idealistische Erin gut und vor allem glaubwürdig darzustellen. Gleiches gilt auch für die Schüler, durch die Bank mit jungen Schauspielern besetzt, die noch ganz am Anfang ihrer Karriere stehen.

Vieles hätte bei Freedom Writers schief gehen können, wie beispielweise zu kitschige Dialoge oder zu viel Gewackel mit dem moralischen Zeigefinger. Dadurch, dass sich Regisseur Richard Lagravenese aber ganz auf die Chemie seiner Schauspieler verlässt und die Einmaligkeit von Erins Klassenarbeit für sich sprechen lässt, umläuft der Film knapp alle Kitsch-Löcher, die sich vor ihm auftun. Und wenn es doch einmal wirklich zu rührseelig wird, folgt schnell ein Ausflug in das von Rassenunruhen erschütterte L.A., um Schüler und Zuschauer wieder auf den Boden der Tatsachen zurück zu holen.

Bleibt im Grunde nur noch eine Frage: Welches Publikum Freedom Writers im relativ behüteten Deutschland ansprechen will, das bisher von größeren Rassen- und Klassenunruhen verschont wurde. Aber vielleicht macht gerade das den Anreiz von Lagraveneses Film aus - einen kleinen Einblick in die Jugend eines anderen Landes zu gewinnen, wenn auch nur durch die filmische Linse. Wenn ich diese Lehrerin treffen würde! 

Montag, 26. Dezember 2011

Der Rote Baron (2008), DE

In dieser Filmproduktion von Regisseur Nikolai Müllerschön über das Leben von Manfred von Richthofen spielt Matthias Schweighöferden Roten Baron" als romantischen Abenteuerhelden, der die Luftkämpfe nicht als Kriegshandlung betrachtet, sondern als sportliche Herausforderung. Der Film ist die kinogerecht aufbereitete Erzählung der letzten Lebensphase eines deutschen Kriegshelden des Ersten Weltkriegs. Nikolai Müllerschön hat aus dem preußischen Luftkrieger Manfred von Richthofen einen Baron zum Kuscheln gemacht. Der Rote Baron mischt alte Mythen, neue Technik und obligatorische Liebe zum internationalen Heldengedenkpudding.

Die Verfilmung Der Rote Baron nun trägt bereits den Untertitel Sein größter Sieg war ihre Liebe". Matthias Schweighöfer, der zuletzt mit zotteliger Perücke als Rainer Langhans (Das wilde Leben, 2007) und in Til Schweigers Liebeskomödie Keinohrhasen (2007) auftrat, spielt den adeligen Flieger als kindlichen Schumacher der Lüftestets in Rollkragenpulli und flauschige Schals gehüllt und immer einen flotten Spruch gegenüber seinen Vorgesetzten, inklusive Kaiser Wilhelm, auf den Lippen. Auch seine strickmodetragenden Kameraden Voss (Til Schweiger), Wolff (Tino Mewes) und Sternberg (Maxim Mehmet) sind eher ganz zeitgenössisch sympathische, softe Kumpeltypen als preußische Militärs. Joseph Fiennes gibt den kanadischen Piloten Captain Brown, der ebenso Feind wie Freund ist, und Lena Headey die schöne französische Krankenschwester, die dem hochdekorierten Kampfflieger erst die Augen für die Gräuel des Krieges öffnet und der Weltkriegs-Action den politisch korrekten Anstrich verpasst. Du bist mein größter Sieg", wird sich Richthofen tatsächlich zur Liebe und schließlich fast zum Pazifismus bekennen.

Spürbar bemüht sich der hochbudgetierte und privat finanzierte Film um international vermarktbaren Appeal. Der in Kalifornien lebende Müllerschön drehte Der Rote Baron in englischer Sprache. Die Ästhetik ist so geleckt, die musikalische Untermalung so konventionell-penetrant wie in tausend anderen Ausstattungsfilmen, ob sie nun in der Nazizeit oder auf der untergehenden Titanic spielen. Doch vielleicht können sich CGI-Fans für diese historische Luftnummer begeistern. In die Flugsequenzen, die im Film viel Raum einnehmen, wurde reichlich Zeit und Rechenleistung investiert. Wer den Gedanken verdrängen kann, dass Matthias Schweighöfer und Til Schweiger in ihren Pilotensitzen vor einer riesigen Green Screen hin und her wackeln, der mag den knackigen Fotorealismus der Himmelsgefechte bewundern. Dem Liebesplot und der Wiederbelebung wilhelministischer Heldenbilder unter heutigen Vorzeichen der Political Correctness entkommt jedoch kein Zuschauer. Am Ende werden noch einmal Wollschals getauscht. Fotografien der realen Personen beschließen das feierliche Gedenken an den Roten Baron und seine Freunde. Und während der Abspann läuft, beschleicht einen die Idee, ob es nicht vielleicht, wie im Kriegskino der fünfziger Jahre, auch wieder an der Zeit für eine filmische Würdigung anderer zeitgeschichtlicher Idole wäre? Etwa von Feldmarschall Rommel, dem Wüstenfuchs"? Der war im Grunde seines Herzens sicher auch ein ganz anständiger Kerl.

Es ist ein Weltkriegsfilm aus deutscher Schmiede mit toller Besetzung und einem stimmigen Soundtrack. Gute Unterhaltung ist garantiert über die komplette Länge des Films. Sehr gut inszenierte Luftkämpfe und selbst Til Schweiger kommt gut in seiner Rolle rüber! Für Fans von Kriegsfilmen mit mächtig Pathos im Töpfchen ein Muss! Gute deutsche Produktion!

Donnerstag, 22. Dezember 2011

Million Dollar Baby (2004), US

In Clint Eastwoods "Million Dollar Baby" geht es um mehr als nur um das Boxen, es geht um das permanente Streben nach Erfolg, nach Anerkennung. Der Film zeigt, was für eine persönliche Robustheit man dafür benötigt. Es geht um Aufstieg und Abstieg im Leben und um das Blut, das man dabei verliert.

Aufbruch, Reise, Schmerz–die drei Gesichter eines außergewöhnlichen Films, die drei Gesichter Maggie Fitzgeralds, wunderbar verkörpert von Hilary Swank, deren Leistung in diesem Werk völlig zu Recht verehrt wird. Akribisch wie Christian Bale, mimisch variabel wie Jodie Foster und so emotional wie Hilary Swank.

Über die vollständige Länge des Films hinweg meißeln das Drehbuch und Regisseur Eastwood verlässlich gewandt die detaillierten Hintergründe der zwei liebevoll gestalteten Hauptcharaktere. Sie lassen den Zuschauer in den, grob auf Haupt – und Schlussteil reduzierten Abschnitten, erst mit fiebern, dann mit leiden und, die tief im Bewusstsein verwurzelten Beweggründe nachvollziehen. Sei es der Wunsch Maggies, den einzigen Teil ihres Lebens, der ihr Freude macht, mit dem sie sich aus dem tristen Dasein einer Kellnerin und ihre grauenhafte Familie dem Wohnwagenpark enthebt, mit dem wohlverdienten Titel zu krönen oder ihr Verlangen den Teil ihrer Existenz, der durch ihre Herkunft unterdrückt wurde, den Wunsch nach Höherem zu streben, endlich zu verwirklichen.

Die Parabel auf ihren Lebenskampf, der Boxsport, der lange der Sport der Unterdrückten war – Maggies Begeisterung für ihn wird mit den einfachsten Mitteln auf den Zuschauer übertragen. In einer dunklen und menschenleeren Sporthalle, fängt mühsam im schummrigen Licht, eine großartig geführte Kamera die kleine muskulöse Frau ein, wie sie all ihre Leidenschaft in einen Boxsack hinein prügelt. Der Schweiß steht in ihrem Gesicht, dunkle Haarsträhnen kleben auf der Stirn und man verfolgt den hoffnungsfroh lächelnden Mund, die strahlenden Züge Maggies, wie sie den kräftigen, grauhaarigen alten Mann unermüdlich mit „Boss“ anspricht und ihn schließlich mit ihrer liebenswürdigen, bemitleidenswerten Präsenz, zur Zusammenarbeit nötigt.

Der alte Mann, Frank Dunn, dem als Manager die Ehre eines Titels stets versagt blieb und der seine scheinbar letzte Chance soeben durch Zaghaftigkeit aus den Händen gleiten ließ, diese ähnlich tragische Figur erweist sich im Gang des sportlichen Duos gen Gipfel, als vorerst gewohnt eastwoodmürrisch, wenig jovial, unwirsch und störrisch, lässt aber eben, so wie es nur der große Clint kann, durch wenige Blicke und Gesten, zögernde Wärme hervor scheinen. Am Ring belegt er seine, vielleicht etwas zu fingerfertigen und erfolgsgarantierenden Fähigkeiten als Trainer. Die Siege Maggies erscheinen als zu einfach, was sich als überaus trügerische Sicherheit zu erkennen geben soll. Doch ist die Beziehung Franks zu Maggie mehr als nur ein simples Engagement mit einem ehrgeizigen „Mädchen“. Zwischen den beiden Charakteren, die so grundverschieden, sich in einigen Zügen, Sturheit und Ehrgeiz, aber doch ähnlich sind, entwickelt sich im Laufe der zwangsläufig erfolgreich verlaufenden Karriere, eine tiefe Freundschaft, die ihren Höhepunkt erst ganz am Schluss findet. Mit der Macht dreidimensional und nicht zuletzt überaus sympathisch gezeichneter Figuren, zwingt Eastwood seinem Publikum die Empathie auf, in diesem mehr als zwei Stunden andauernden Kampf, alle von den Protagonisten durchlebten Emotionen, ihre Hoffnungen, Ängste, ihre Begeisterung und schlussendliche Verzweiflung aufs tiefste und schmerzhafteste mitzuerleben.

Das tragische Ende wirft dann die Frage auf, worum es in diesem Film eigentlich geht. Um Sport und seine Nebenerscheinungen, um Vergangenheitsbewältigung, Gegenwartsbewältigung oder doch um den Sinn des Lebens, der darin besteht für irgendetwas zu kämpfen. Ob für Erfolg, Familie, Leben. Wie vergänglich, all das ist, dafür steht „Million Dollar Baby“ und das kann zumindest eine Antwort auf die Frage sein. Ganz starker Film, der seine 4 Oscars wirklich verdient hat!

Mittwoch, 14. Dezember 2011

Zwei an einem Tag - One Day (2011), GB

Auf den Liebesfilm „Zwei an einem Tag" hat David Nicholls, der neben der Romanvorlage auch für das geschickt konstruierte Drehbuch verantwortlich war, es geschafft, seine gelungene Story-Idee überraschend gut zu übertragen. Und die dänische Regisseurin Lone Scherfig hat sich mit dem Film ein kleines Traumprojekt erschaffen.

Alles fängt mit einer gemeinsamen Nacht nach dem Abschlussball am 15. Juli 1988 in Edinburgh an. Danach haben sich die beiden, Emma Morley (Anne Hathaway) und Dexter Mayhemund (Jim Sturgess), eintscheiden dafür, einfach nur Freunde zu sein und jedes Jahr am 15. Juli miteinander zu teilen. So sieht es eigentlich mehr als eine gewöhliche Freundschaft und das geht über Jahre so weiter. Bis endlich, sechzehn Jahrr nach ihrem ersten Treffen merkt Dexter, der geschiedene Vater und einfache Arbeiter, er bekam alles nun nicht mehr, dass das Leben doch was anderes ist als Luxus und Liebe, das alte Werte doch die wahren Dinger sind. Die beiden heiraten, lieben sich leidenschaftlich und wollen ein Kind. Doch ihr Glück dauert nur ganz kurz. Bei einem Verkehrsunfall kommt Emma ums Leben und es ist wieder an einem 15. Juli. Der untröstliche Dexter muss in Zukunft ohne sie auskommen und lebt von seinen Erinnerungen.

Eigentlich gehöre ich auch zu denen, die das originale Buch noch nicht gelesen haben und bin nur auf Grund des Trailers ins Kino gegangen, der mir schon sehr gut gefallen hat. Und so wurde ich im Kino auch nicht enttäuscht, ganz im Gegenteil. Der Film erzählt auf besondere Weise eine sehr schöne Liebesgeschichte zwischen zwei Menschen, die beide sehr authentisch dargestellt werden, so dass die Story nie ins allzu Kitschige abrutscht. Man kann sich gut in die Protagonisten hineinversetzen, fühlt mit ihnen und kann die jeweiligen Entscheidungen nachvollziehen und verstehen. Umso krasser trifft einen dann auch das Ende, zumindest bei mir. Man ahnt zwar irgendwie, dass das alles nicht gut ausgehen wird, aber die Umsetzung schockt und berührt einen trotzdem sehr und trifft mitten ins Herz, so dass man das Kino mit einem flauen Gefühl im Bauch verlässt. Das tut dem Film jedoch keinen Abbruch, eher im Gegenteil. Hätte die Geschichte so ein typisches Romantic-Comedy-Kitschende, würde der Film wohl nicht so im Gedächtnis bleiben. Der Film überzeugt auch mit schönen Bildern von London und Paris und Alfred Molina bringt noch einige lustige Passagen mit sich, die man auf jeden Fall genießen sollte, bevor sich der Streifen der spät eintreffenden Tragik zuwendet.

Was den Film stark macht sind die Erzählmomente die kurz vorkommen, Dinge die der eine dem anderen zu berichten hat, oder Blicke die zeigen dass der andere den Einen vermisst. Was vielleicht auch im Film fehlt, er zeigt in kurzer Zeit die Momente die wichtig sind für beide Darsteller, dagegen die fehlenden Jahre, die Zeit zwischen den Begegnungen der einzelnen Hauptdarsteller in diesem Film, wird aufgefüllt mit den Lebensgeschichten, Berichten und Erzählungen beider Personen die sehr unterschiedlich sind, sich trotzdem lieben es aber nicht zugeben und es teilweise nicht wissen.

Am Ende möchte ich sagen, es ist ein sehr gefühlvoller und romantischer Film über das Leben und wie das Schicksal einem vernichten kann. Übrigens wenn ansehen dann auf Englisch, denn die deutsche Synchronisation verhunzt die Stimmung und nimmt dem Ganzen den Reiz.

Tatsächlich ... Love Actually (2003), GB

„Tatsächlich ... Liebe" ist eine britische romantische Komödie aus dem Jahr 2003, die in den miteinander verwobenen Handlungssträngen zehn unterschiedlichen Liebesgeschichten, die durch das vorherrschende Thema der Liebe verbunden sind und schließlich alle an Heiligabend zusammengeführt werden. Der Regisseur ist Richard Curtis und er hat auch das Drehbuch geschrieben.

Die eigentliche Handlung des Films beginnt fünf Wochen vor Weihnachten. In verwobenen Episoden werden die Liebesgeschichten der verschiedenen Protagonisten bis zum Weihnachtsfest erzählt. Der Film eröffnet mit Begrüßungsszenen, die auf dem Flughafen London-Heathrow gedreht wurden. Während in Zeitlupe die liebevollen Begrüßungen der Menschen gezeigt werden, erzählt der Sprecher davon, dass „Liebe tatsächlich überall" sei. Der Film endet ebenfalls auf dem Flughafen, wo sich unter den begrüßenden Menschen auch die Protagonisten aus den einzelnen Episoden befinden. Dies alles wird von einem wunderbar aufspielendem Ensemble mit all der Leichtigkeit, die überhaupt nur möglich ist, vorgetragen. Um romantisch aber ohne kitschig zu sein, anstatt die Schicksale der einzelnen Protagonisten zu dramatisieren, werden die ganzen Geschichten locker flockig und mit nicht zu barsch wirkendem Humor erzählt.

Obwohl der Film aus so viele unterschiedlichen Geschichten besteht, wird der film nicht verwirrend, sondern man steigt da noch absolut durch. Denn in diesem Film wird man erstmal mit Bill Nighys Sarkasmus ins Wasser geworfen, tritt auch schon Colin Firth mit verschmitzten Lächeln auf den Plan, beobachtet man Liam Neeson mit schindlerscher Trauermiene wie er mit Emma Thompson am Telefon spricht(die ich seit "Stranger than Fiction" sehr verehre). Keine Zeit zu verschnaufen, es geht nahtlos weiter mit Heike Makatsch, die sich an Alan Rickman ranmachen will, da tritt auch schon Hugh Grant auf den Plan. Doch sich von seinem Charme als Premierminister zu erholen ist leider nicht drin, weil im nächsten Moment schon wieder die wunderhübsche, wenn auch gefährlich dünne Keira Knightley im Brautkleid vor einem steht. Und wenn nach langer Dürreperiode an neu eingefürten Rollen noch der britischste Brite aller Briten, Rowan Atkinson seinen Gastauftritt liefert, ist man dazu erweicht dem Film vor seine humortrockenen britischen Füsse zu fallen..

Um all diese wunderbaren und tragischen Geschichten geht es bekanntlich in „Tatsächlich... Liebe", die auf der narrativen Ebene immer wieder rudimentär zusammengeführt werden. Ein tatsächlich wunderbarer Film, der von echter Liebe zu erzählen weiß, ebenso von den Umwegen, die diese manchmal nimmt. Alles in allem ein absolut wunderschöner Film für die Adventszeit. Wahrscheinlich der Schönste.

Freitag, 9. Dezember 2011

Beim Leben meiner Schwester

Mit „Leben meiner Schwester (My Sister’s Keeper)" zeigt der Regisseur Nick Cassavetes uns, wie eine Familie mit einem schweren Schicksal umgeht, genauer gesagt, wie die verzwifelten Eltern bis an die Grenzen gehen, um ihre eigene Tochter zu retten. Dieses US-amerikanisches Drama aus dem Jahr 2009 basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jodi Picoult. Obwohl ich persönlich den Bestseller nicht gelesen habe, hat Cassavetes meiner Ansicht nach wirklich einen guten Film geschafft, wobei sich fast keine schlechte Darstellung finden lässt.

Eigentlich ist das Leben von der Familie Fitzgerald richtig unbeschwert, bis die Tochter Kate (Sofia Vassilieva) eines Tages festgestellt wird, dass sie an APL leidet, einer seltenen Form der akuten myeloischen Leukämie. Ihre Eltern Sara (Cameron Diaz) und Brian (Jason Patric) sowie ihr älterer Bruder Jesse (Evan Ellingson) erweisen als passender Organspender und ohne passende Stammzellenspende wird Katie sterben. Ihre Eltern treffen eine schwierige Entscheidung, per Präimplantationsdiagnostik ein weiteres Kind zu bekommen, ein Retortenbaby, welches genetisch perfekt auf die Bedürfnisse ihrer großen Schwester angepasst sein soll und den optimalen Spender darstellen würde. Anna wird geboren und der Plan scheint zu funktionieren, Katie geht es besser. Immer wieder werden der Jüngeren Knochenmark und Stammzellen entnommen, und die beiden Schwestern müssen sich langwierigen Krankenhausaufenthalten unterziehen. Doch der Krebs kehrt zurück, während ihre Nieren versagen. Anna soll erneut als Spender einspringen, doch sie weigert sich, eine Niere zur Verfügung zu stellen, da sie von nun an selber über ihren Körper bestimmen möchte. Anna klagt schließlich mit dem Anwalt Campbell Alexander vor Gericht ihre eigenen Eltern an, obwohl sie ihn nicht bezahlen kann. Weil Campbell Alexander an Epilepsie leidet und die Gefühle von Anna kennt, setzt er sich für sie. Ein Geheimnis unter den beiden Geschwestern folgt danach.

Der Film stiehlt sich letztendlich um die Beantwortung dieser Fragen, überlässt es den Zuschauer selbst sich entsprechende Gedanken zu machen und ein Urteil zu finden. Dafür aber beschreitet Cassavetes ganz großes Gefühlskino, das über alle Maße berührt und ergreift. Nach einem etwas holprigen Einstieg, wühlen die Schicksale auf und die melodramatische Geschichte fordert Träne um Träne. Hierbei benutzt der Regisseur zwar keine sehr subtile Erzählweise, dafür aber eine sehr interessante. So lässt er die Geschehnisse nicht nur durch einen Protagonisten widergeben, sondern durch jede Figur selbst. Mal zeitnah, mal mittels Rückblenden schildern die Beteiligten ihre Sicht auf die Dinge. Ohne Wertung, die ist wiederum dem Zuschauer selbst überlassen. Etwas schwerfällig und altklug wirkt hierbei allerdings Prolog, wie Epilog. Darstellerisch gibt es nichts auszusetzen, nur dass eine noch breitere Charakterschraffierung im Rahmen einer vielschichtigeren Gestaltung hätte formuliert werden können.

Abigail Breslin spielt die Hauptrolle in dem Film und ich mag diese super süße kleine Hauptdarstellerin sehr, genauso so gerne, wenn nicht noch mehr, mag ich die Schauspielerin Cameron Diaz, die in dem Film die Mutter der beiden Mädchen spielt und bewiesen hat, dass sie auch ernste Rollen spielen kann. Die Schauspieler spielen die Geschichte sehr real und man fühlt mit ihnen mit. Der Film ist sehr sehr sehr berührend und ich muss am Ende meistens weinen. Außerdem bringt einen der Film zum Nachdenken. Ich liebe diesen Film.

Montag, 5. Dezember 2011

Tomboy (2011), FR

Wenn Du noch keine Ahnung von dem Titel des französischen Films „Tomboy" - eine wunderschön gefilmte und phantastische Story über ein zehnjähriges Mädchen, das einen Jungen werden möchte oder mindestens sich etwas Freiheitliches von einen realen Jungen wünscht - hast, weißt Du vielleicht am Anfang auch nicht das Geschlecht von dem lieben Kind. Die kurz Haare geben nichts weg und so ist es auch die Szene vom Stehen im Sonnendach von einem Auto gegen den Wind. Der Fahrer - der Vater - hat eine Hand am Lenkrad und die andere an diesem Kind, was   uns ein nettes Bild für eine Story über Leben zeigt.

„Tomboy" ist der zweite Hauptfilm von Céline Sciamma, Regisseurin und Drehbuchautor aus Frankreich. In diesem Werk ist eine französische Familie mit zwei Töchtern, zehnjähriger Laure (Zoe Heran) und sechsjähriger Jeanne (Malonn Levanna), kürzlich in diesen Sommerferien in eine neue Wohngegend eingezogen. Die ältere Schwester hat sowohl beim Aussehen als auch beim Verhalten etwas sehr Jungenhaftes an sich. Anders als die meisten Mädchen hat sie kurze Haare und zieht das Fußball der Puppe, den Pullover dem Kleid vor. Nach dem Umzug verläuft das Leben der Familie immer weiter wie früher. Mindestens sieht es so aus, bevor Laure eines Tages Lisa (Jeanne Disson) begegnet, dem ein Mädchen mit dem gleichen Alter wie sie selbst ist. Dann hat Laure in der neuen Nachbarschaft endlich neue Freundin unter den Gleichaltrigen. Aber Lisa macht einen Fehler und meint Laure als einen Jungen. Dann lässt Laure einfach es freien Lauf und lässt sie ihre neue Freundin daran glauben, dass sie ein Junge namens Mikaël ist. Nachdem sie von der neuen Identität geglückt ist, spielt sie auch mit anderen Kindern aus der Nachbarschaft. So beginnt ihr Sommer mit langen sonnigen Nachmittagen, Spielen auf dem Spielplatz und dem ersten Kuss. Das Leben wird anders: Zu Hause mit ihren Eltern (Mathieu Demy und Sophie Cattani) und ihrer jüngeren Schwester ist sie Laure, während sie mit ihren neuen Bekanntschaften und Freundin ausspielt, ist sie Mikaël. Doch kommen diese Sommerferien schließlich zu Ende, aber sie möchte immer noch das Geheimnis bei sich behalten. Und während ihre Beziehung zu Lisa immer enger wird, macht die Zweideutigkeit Laure immer schwerer, die Lage und die Zukunft überzusehen oder durchzuschauen.

Celine Sciamma bringt Licht und bezaubernde Berührung zu dieser Erwachsensein-Story, worin es um Beziehungen zwischen Kindern, Kindern und Eltern und die mehr komlizieltere eine zwischen Seele und Körper von einem. Leider gibt diese Regisseurin am Ende noch keinen Ausweg für Laure/Mikaël beim Problem der Geschlechtsidentität. Im Interview hat sie auch sagt, der Film lasse bewusst offen, für welche Geschlechtszugehörigkeit das Mädchen sich entscheidet. Wie in ihrem früheren Werk, „Water Lilies" über die Entdeckung von Teenagermädchen von ihrem sexualen Selbst, zeigt Frau Sciamma wieder mal offensichtlich ihr Talent für Arbeiten mit jungen Schauspielern und bringt ein natürliches Pathos zum Bildschirm.

Für mich ist die Darstellung der Liebe zwischen der zwei Geschwistern besonders berührt. Obwohl die Story programmatisch und größenteils nicht verwunderlich ist, geben die Kinder ihr Leben und Freude.

Montag, 21. November 2011

The Descendants - Familie und andere Angelegenheiten

„The Descendants" ist eine sowohl heitere als auch tragische Reise für Matt King (George Clooney), ein teilnahmloser Vater von zwei Mädchen, der zur Wiederprüfung seiner Vergangenheit gedrängt wird und seine Zukunft empfängt, während seine Frau einen Bootsunfall erleidet. Inzischen findet George Clooney sein echtes Selbst beim Stocken der Familie wegen der Tragödie in diesem neuen Alexander Payne´s Film von 2011.

Alexsander Payne ist einer der meisten ästhetisch wagemutigen Regisseur in Amerika. Er schleicht nicht einfach von Hässlichkeit weg, sondern empfängt sie. Das Drehen nach dem Öffnungsuntertitel lässt uns ein besondes Hawaii sehen, das selten im Film gezeit worden ist, und George Clooney's Monolog lässt allen Zweifel loswerden, dass „The Descendants" uns mit einem bei Touristen beliebten Paradies von Surfboards and Cocktails am Strand anzieht. Eigentlich in Werken von Payne spielt das Location oft eine Hautrolle, das einen Beitrag zur Erkärung dieser Figuren leistet und der Handlung eine passende Landschaft anbietet, wo alle Kernpünkte verlaufen werden. Wie gesagt, der Film ist auf den malerischen hawaiianischen Inseln, ein erstaunlich unzureichend benutzter Standort für schöne Filme, angesetzt. Payne verweilt aber nicht allzuviel lange bei der Schönheit der Umgebung, obwohl „The Descendants" uns seinen Anteil von schönen Images vorstellen lässt. Im echten Mittelpunkt stehen immer noch der haupte Charakter, dessen Beziehungen, Gefühle, und Wachsen als eine Person vom Skelett und Fleisch der Story.

Matt King (George Clooney) ist ein erfolgreicher wohlhabender Anwalt mit einer populären und ausgehenden Ehefrau, Elizabeth (Patricia Hastie), und zwei geistvollen Töchtern: der 10-jährigen altklugen Scottie (Amara Miller) und der 17-jährigen schwierigen Alexandra (Shailene Woodley). Diese Familie lebt ruhig und schön auf Hawaii, wo Matt mit seinem Stamm ein unermesslich kostbares Stück Land bei sich nimmt. Dank seines Zustands der Kreditwürdigkeit und wegen anderen Gründe wird er zum Verkauf des Familienerbes gedrängt. Das einzelne Problem lautet, wem er das verkaufen soll. Während Matt sich noch das Problem überlegt, stößt siene Frau Elizabeth auf einen schweren Bootsunfall und gerät ins Koma. Matt ist seinem Wort nach die „back-up Eltern", die keine richtig genügende Verantwortung für seine Töchter übernommen und um sie gekümmert haben. Aber jetzt muss er plötzlich und schnell in die Rolle voller Autorität, nämlich den Vater, eintreten, wovon er selbstverständlich keine Ahnung hat. Darüber hinaus wird seine Welt weiter geschlagen, wenn Matt von seinem älteren Tochter Alex erfährt, dass seine Frau ein Verhältniss mit einem anderen jüngeren Mann (Matthew Lillard) hatte und sich von ihm scheiden lassen wollte. Nach dem Schock hat er sich entschieden, sich zusammen mit Alexandras Freund Sid (Nick Krause) und ihrer Schwester Scottie (Amara Miller) auf eine Reise zur Suche nach dem unbekannten Liebhaber seiner Frau zu machen. Die besondere Reise ist viel wichtiger als das ursprünliche Ziel und sie bietet eine perfekte Chance, endlich richtig sich kennen zu lernen.

Es zeigt einen Eindruck in die menschliche Seele in „The Descendants" aus, wenn Matt´s Gefühle für seine sterbende Frau und seines Verwandeln von einem absenten Vater in die Eltern, die seine Töchter brauchen, von George Clooney erfolgreich dargeboten werden. Für mich ist es ein warmer, menschlicher und rührender Film and es wird bestimmt auch ein weiterer Triumph für George Clooney in seiner langen Liste für Triumphe als einen Filmstar und einen Schauspieler. Erwähnenswert ist noch der Soundtrack von The Descendants, der eine besonders schöne hawaiianische Stimmung schafft. In einem Wort möchte ich sagen, dass „The Descendants" der bis jetzt der beste Werk von Alexander Payne, das sowohl lustig als auch berührend ist.